Registrierkassenpflicht am Weingut: Erfahrungen vom Winzer Stefan Schmid Pillichsdorf

Winzer Stefan Schmid aus Pillichsdorf arbeitet bereits mit einer EDV-gestützten Registrierkasse, wie sie nach dem neuen Umsatzsteuergesetz ab 2016 verpflichtend wird. Als Winzer, der stets an betrieblichen Optimierungen arbeitet, kann Stefan Schmid über Vor- und Nachteile dieses Systems sprechen.

Pillichsdorf, 27. März 2015 – Stefan Schmid aus Pillichsdorf im Weinviertel arbeitet bereits seit 2012 mit einem Computer-unterstützten Registrierkassensystem, das er in seinem Weingut im Ab-Hof-Verkauf, in seinem Weinshop und am Bauernmarkt in Wien einsetzt, um betriebliche Abläufe zu optimieren. Neben den organisatorischen Vorteilen und der Zeitersparnis hat dieses System aber auch große Nachteile wie den hohen Papierverbrauch, die beträchtlichen Anschaffungskosten und bei der Bedienung durch ältere Menschen, was gerade bei Familienbetrieben wie sie Weingüter sind, üblich ist. Ab Jänner 2016 müssen nun alle Weingüter, die Ab-Hof-Verkauf betreiben, eine Registrierkasse anschaffen, denn dann tritt die Registrierkassenpflicht für alle Betriebe in Kraft, die einen Jahresumsatz von mindestens 15.000 Euro, überwiegend aus Bareinnahmen, erwirtschaften.

„Entschieden haben wir uns für eine EDV-gestützte Registrierkasse im Zuge unserer betrieblichen Umstrukturierung auf Nachhaltigkeit“, erklärt Stefan Schmid. Die Weingärten des Weingut Schmid Pillichsdorf wurden Biodiversitätsanlagen mit Bäumen, Kräuter, Nützlingshotels und Vogelnistkästen, im Keller wird Energie eingespart und Strom durch Photovoltaik selbst erzeugt. Organisatorische Arbeitsprozesse wurden modernisiert, um den Mitarbeitern ein angenehmes, fortschrittliches Betriebsklima zu schaffen und wirtschaftlicher zu agieren.

Dazu gehört auch die Registrierkasse. „Durch die automatische Integration mit meiner Computerdatenbank sind die Lagerstände immer aktuell,“ zeigt sich der Winzer aus dem südlichen Weinviertel begeistert. „Das Kundenmanagement, Jahrgangsumstellungen, Preisanpassungen, all das funktioniert einfacher, wenn nicht sogar automatisch.“ Außerdem gibt es weniger Zettelwirtschaft, insbesondere wenn er den Touchscreen-Laptop mit Registrierkassensoftware am Bauernmarkt am St. Elisabethplatz in Wien benutzt: „Ich muss mir nicht notieren, was ich in Wien verkauft habe und dann abends im Büro noch in den Computer eingeben.“

Zu den Nachteilen der Registrierkasse gehört etwa der erhöhte Papierverbrauch, da sämtliche Belege für die Buchhaltung ausgedruckt werden müssen. Probleme gibt es auch, wenn ältere Personen im Betrieb mithelfen, was gerade bei Weingütern und landwirtschaftlichen Betrieben üblich ist. Herr Schmid Senior und der Schwiegervater von Stefan Schmid helfen gerne beim Ab-Hof-Verkauf in Pillichsdorf und Wien, wenn die Jungen im Weingarten oder ausliefern sind. Mit Computern haben Sie wenig Erfahrung und die kleinen Schaltflächen auf dem Touchscreen sind für sie schwierig zu bedienen. „Dabei können schon Fehler passieren. Vor allem ältere Betriebsführer werden mit der Registriekassenpflicht vor Herausforderungen gestellt,“ sagt Stefan Schmid, der vor dem computergestützten System 3 Jahre eine einfache Registrierkasse verwendete.

Insgesamt musste Stefan Schmid 7.500 Euro für zwei Registriekassensysteme investieren. Eine für den Ab-Hof-Verkauf im Weingut und eine im Weinshop in der Barichgasse in Wien. Dazu ein Laptop für den Bauernmarkt und Liefertouren, zwei Bondrucker und dazu die Software. „Vor allem für kleine Betriebe stellt das eine erhebliche Mehrbelastung dar, die wir zwar freiwillig geleistet haben, aber sicher nicht jeder Betrieb leisten kann,“ ist Stefan Schmid überzeugt. “Wenn jemand sein Berufsleben lang in einem Ministerium im öffentlichen Dienst gesessen ist und nur einen kleinen Arbeitsbereich abdecken muss, erscheinen viele Dinge in der Theorie äußerst einfach,” so Schmid, der selbst fast 9 Jahre für den öffentlichen Dienst gearbeitet hat, kritisch. „Unter Verwaltungsvereinfachung verstehen Beamte, dass es für die Verwaltung einfacher wird. Ich als Winzer verstehe darunter, dass in meinem Büro die Arbeit weniger und einfacher wird. Ein klassischer Interessenskonflikt, wo die Wirtschaft am kürzeren Hebel sitzt.“

Weingut Schmid
Das Weingut Schmid in Pillichsdorf bearbeitet rund 5 ha Rebanlagen im südlichen Weinviertel als Bio-Umstellungsbetrieb. 50 % der Rebfläche sind mit Grünem Veltliner bestockt. Gesunde, fruchtbare Böden und eine intakte Natur sind für Familie Schmid die Grundlage ihres Erfolgs. Deshalb gehört die Biodiversität im Weingarten im Sinne eines ausgewogenen Ökosystems zu den wichtigsten Maßnahmen des Weinguts. Da wachsen dann unter anderem Äpfel-, Marillen- und Pfirsichbäumchen, Himbeer-, Stachelbeer- und Ribiselstäucher, Knoblauch, Zwiebel, Thymian, Pfefferminze, Petersilie, Mangoldspinat oder Schwertlilie zwischen den Weinstöcken und tragen so zu einem gesunden Weingarten bei. Im Sinne der Ganzheitlichkeit geht Stefan Schmids Konzept über den Weingarten hinaus: Die Energie für den Weinkeller produziert er durch Photovoltaik, gleichzeitig spart er durch Lamellenvorhänge Energie, mithilfe eines Dampfreinigers spart er chemische Reinigungsmittel ein und seine Mitarbeiter finden ein modernes Betriebsklima vor. Zudem ist er Initiator und treibende Kraft des Vereins zur Herstellung von natürlichem Weingartenhumus, da es einen solchen nicht mehr zu kaufen gibt. Letztlich arbeitet Stefan Schmid an der Sensibilisierung der Konsumenten, indem er bereits für die Jüngsten den „Kindergarten und die Schule am Bauernhof“ anbietet. Erwachsenen erklärt er bei Riedenrundfahrten die Wichtigkeit eines intakten Ökosystems für unsere Lebensmittel. Mit diesem ganzheitlich integrierten Konzept hat er den Weinbauförderpreis 2013 in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ sowie den PIWI-Weinpreis für pilz-widerstandsfähige Sorten gewonnen. Dass sich gesunde Weingärten auf die Qualität auswirken, hat das Weingut Schmid Pillichsdorf 2013 mit dem Sortensieg bei der Austrian Wine Challenge bewiesen.

Das Weingut Schmid hat bereits lange Tradition als bäuerlicher Direktvermarkter in Wien. 1967 eröffnete der Vater des heutigen Winzers Stefan Schmid die Verkaufsstelle in Wien 3 (Barichgasse 4). Stefan Schmid begann im April 1995 mit seinem Verkaufsstand am St. Elisabethplatz im 4. Bezirk und eröffnete im April 2013 seinen neuesten Stand am Spezialitätenmarkt Margaretenplatz im 5. Bezirk. Selbst bei tiefen Minustemperaturen wird verkauft.

Nur 15 km nördlich von Wien bietet sich das Weingut auch als schönes Ausflugsziel an. Beim Ab-Hof-Verkauf am Samstag von 14-18 Uhr stehen alle Weine zur Verkostung bereit. Daneben kann aus einer großen Zahl touristischer Angebote und öffentlicher Veranstaltungen gewählt werden. Besonders spannend gestalten sich die Riedenrundfahrten des Weinguts, die wieder ab Mai 2014 angeboten werden.

http://weinimagegestaltung.antrey.at/pressemitteilungen/20150326Registrierkassenpflicht_WSS.pdf

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>