No, I would have liked some COFFEE, please!

Engstirnig oder genussfreudig? Sklavin ihrer sich selbst auferlegten Rituale oder Verweigerung des Geschmacksknospen-Masochismus? Zum Frühstück drei Stück Kaugummi-Toast, bestrichen mit Marmelade, bei der man die Begegnung mit richtigen Früchten auch ohne sensorischer Meisterleistung ausschließen kann, dazu bröselige Cornflakes, wahrscheinlich vom gleichen Jahrgang wie meine Wenigkeit. Das kann man eventuell noch als akzeptablen Start in den Tag durchgehen lassen. Zumindest deckt es den Bedarf an Kalorien und Kohlehydraten für die ersten zwei Sightseeing-Programmpunkte, die man sich bei einem sehr kurzweiligen London-Trip als Vormittagsprogramm gesetzt hat.

Was aber trotz der hohen Schmerzgrenze nicht geht, ist a cup of instant coffee for breakfast. Die Verweigerung des solchen brachte mir postwendend eingangs erwähnte Diskussion ein, serviert am Silbertablett als kostenlose D’raufgabe zum aufmunternden Frühstück.

Ist es tatsächlich engstirnig, Lös-Kaffee nicht als Kaffee zu akzeptieren? Freilich ist man als geeichte Österreicherin die Wiener Kaffeehauskultur gewohnt. Dies in Britannia zu suchen, wäre tatsächlich naiv. Und dies von den Briten zu erwarten, wäre wahrscheinlich wirklich engstirnig. Aber hier geht es nicht ums Kaffeehaus oder sonst irgendeine Kultur, sondern um Geschmack. Lös-Kaffee hat einfach in der Gastronomie nichts verloren, weder da noch dort. Und Lös-Kaffee hat schon gar nichts in meinem Frühstücks-Heferl verloren, weder zu Haus, noch im Flugzeug nach London oder im Hotel.

Ist man Sklavin der selbst auferlegten Rituale, wenn man morgens mild gerösteten, frisch gemahlenen Kaffee riechen möchte, und sich dann auf den ersten Schluck des daraus eben erst aufgebrühten Kaffees freut? Ich habe mich einfach dazu entschieden, meine Sinne auf diese Art zu wecken. Kein starres Ritual plagt hier meine vermeintlich enge Stirn, sondern einfach die Freude am Genuss.
Am letzten Morgen in London haben wir uns trotz unserer Koffein-Kontroversen geeinigt, und uns auf die Suche nach richtigem Kaffee zu machen. Tatsächlich, bald war klar, auch die Londoner sind genussfreudig, auch wenn etwas eigentümlich. Umso spannender, denn esse lieber ungewöhnlich als esse altes Brot mit Lös-Kaffee. Bohnen, Speck, Pommes frittes, Würstel, frischen Toast mit Kräuterbutter und Tomaten, dazu frisch gepressten Fruchtsaft nach meinem Wunsch “all but banana”. Das ganze gekrönt von einem Cappuccino, wie ihn die Italiener nicht besser machen könnten: frisch gemahlener Espresso milder Röstung, zwei Zentimeter Frischmilch und obenauf noch einmal zwei Zentimeter lockerer, feinstporiger Milchschaum. Na dann Herr Nelson, bitte posen, mein Fotoapparat und ich sind fit!

Die Österreicher stehen ja im Ruf der fast schon lethargischen Genügsamkeit. Was die Nahrung betrifft, kommt daher wohl auch der Spruch: “In der Not frisst der Teufel Fliegen” – nur diese Fliege brauch’ ich nicht. No instant coffee, please, I would have liked coffee!

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